Ensemble
Das Ensemble umfasst den nordwestlichen Altstadtrand und die erste aus der Altstadt herausführende Straßenachse, die Max-Joseph-Straße. Sowohl Maximiliansplatz wie auch Lenbachplatz sind aus dem Gelände der ehemaligen Wallbefestigung hervorgegangen. Mit der Anlage beider Plätze wurde um 1800 - nach den Entfestigungsmaßnahmen - begonnen. Der Maximiliansplatz wurde in seiner ersten Entstehungsphase zwischen 1802 und 1805 dem rationalen Gestaltungskonzept der Maxvorstadt unterworfen. Die Max-Joseph-Straße - vom Karolinenplatz aus mit Blickbezug auf die Türme der Frauenkirche - ist als rechtwinklige Achse zur Basislinie des Platzes angesetzt, die sich aus dem Verlauf der alten Stadtmauer ergibt. Als Symmetriekonzeption erfolgte die Platzgestaltung: Das aus der Altstadt führende Max-Tor ist direkt auf die Max-Joseph-Straße als Achse bezogen. Die Eingangssituation zur neuen Maxvorstadt wurde durch zwei flankierende Bauten mit Grünbepflanzung am Anfang der Max-Joseph-Straße betont. Diese annähernd quadratischen Grundstücke sind mit der heutigen Bebauung von Maximiliansplatz 5 und dem Doppelbaublock Maximiliansstraße 8/Max-Joseph-Straße 2 annähernd identisch. Von den zwei weiteren, ebenfalls symmetrisch, dabei schräg in die Platzecken gesetzten Baublöcken ist der westliche in die Bebauung am Lenbachplatz eingegangen, der östliche als Neubau in eine Linie mit der nordöstlichen Grünanlage gerückt worden. Beidseitig des Max-Tors wurden Mietshauszeilen erstellt, deren rückwärtige Grundstücksgrenzen dem Verlauf der alten Stadtmauer folgten. Diese Grenze ist gegenwärtig noch ablesbar. 1841 war die Auffüllung des einstigen Stadtgrabens in der Gesamtlänge beendet und man begann mit einer gärtnerischen Ausgestaltung, die 1876-78 von Karl Effner zum Abschluß gebracht wurde. 1881 entstand in diesen Anlagen Michael Wagmüllers Liebig-Denkmal, als Randbebauung des Platzes 1899-1901 die "Neue Börse" von Friedrich Thiersch. Überleitend zum Lenbachplatz ist der Wittelsbacherbrunnen situiert. Der unregelmäßig und auf malerische Wirkung hin angelegte Lenbachplatz ist geprägt durch den wirkungsvollen Neurenaissancebau des Künstlerhauses, mehr noch durch die Reihe monumentaler Geschäftshäuser des späten 19. Jahrhunderts an seiner Nordwestseite.
Aktennummer E-1-62-000-34
Ensemble
Die Brienner Straße ist die erste der großen Straßenanlagen des 19. Jahrhunderts in München und innerhalb der rationalen Schematik der Maxvorstadt als Ost-West-Achse mit besonderer Absicht angelegt, erstmalige residenzstädtische Planungsaktion und radikale Neubebauung auf freiem Gelände. Vorgegeben war dem Verlauf der Brienner Straße eine als Fürstenweg bezeichnete Chaussee, welche die Residenz mit Nymphenburg verband; die Gestaltung blieb auf die Strecke vom Odeonsplatz bis zum Königsplatz beschränkt. Die in einem ersten Abschnitt zwischen 1808 und 1824 entstehende Maxvorstadt sucht man durch ein System von Achsen an die Altstadt zu binden. Die Brienner Straße geht vom Hofgarten aus. Senkrecht zu ihr steht die Arcisstraße, ausgerichtet auf den 1813/14 angelegten Alten Botanischen Garten. Ihre östliche Parallele ist die Barerstraße. Im Schnitt von Barer- und Brienner Straße ist der kreisrunde Karolinenplatz angelegt. Dieser nimmt eine Schräglinie auf, die Max-Joseph-Straße, die als Anschlussachse bereits besteht.
Die ursprünglich als Königstraße bezeichnete Hauptachse der neuen Vorstadt, 1808 geplant und bis 1828 im wesentlichen bebaut, verbindet in additiver Form unterschiedliche Bebauungsprinzipien: Geschlossene Bebauung mit anliegender Platzerweiterung, gartenstädtische offene Bebauung um einen axial eingebundenen Sternplatz und einen symmetrisch angelegten, rechteckigen, offen bebauten Platz. Die Brienner Straße gilt als Beispiel für klassizistische Stadtbaukunst, charakterisiert durch den Gedanken des Zusammenfassens eines Stadtteils mittels einer großen Achse mit Blickpunkten und Abgrenzung gegen die freie Landschaft, bei gleichzeitig größerer Weiträumigkeit der Plätze, aufgelockerter Bebauung durch freistehende kubische Baukörper und vor allem dem Grün als neuem Element in der Stadtgestalt. Der westliche, ältere Teil der Brienner Straße vermittelt noch diese Prinzipien.
Als Bauherren in der auf repräsentatives Wohnen angelegten Straße fungierten Adelige, hohe Beamte, gebildete Bürger, Künstler, entscheidend der Kronprinz und König Ludwig I. Im Ostteil der Straße entstand nach Klenzes Vorstellungen eine dem Odeonsplatz verbundene Kunstarchitektur. Gegenüber dem Hofgarten beginnt die Brienner Straße mit einer geschlossenen Reihung von der Renaissance beeinflußter italienischer Palastarchitektur. Das 1819 entstandene Palais Moy erinnert an dieses Konzept. Von der Straße nur tangential berührt folgt nördlich der schon 1817 von Klenze konzipierte, bis 1828 vollendete Wittelsbacherplatz, ein saalartiger Architekturplatz nach dem Muster italienischer Renaissance. Westlich anschließend bürgerliche Mietshäuser, wieder in den Formen italienischer Paläste, die eine Fassade in römischer Art, die andere durchgebildet mit linearer florentinischer Rustizierung. Nach dem anschließenden Palais Bayrstorff-Almeida macht die Straße, die bis hierher der Flucht einer alten Befestigungslinie folgt, einen leichten Knick nach Nordwesten; damit werden für den Blick von Westen her Kuppel und Türme der Theatinerkirche sichtbar. Zwischen Türken- und Arcisstraße lag der erste, durch Karl von Fischer gestaltete Teil der Brienner Straße. Der ursprüngliche Charakter seines gartenstädtischen Konzepts ist durch die Bebauung des späten 19. Jahrhunderts und noch mehr die gegenwärtige nur noch in bescheidenem Maße nachvollziehbar; dagegen erinnert die ehem. Galerie Böhler von Gabriel von Seidl, mit dem letzten erhaltenen Vorgarten in diesem Straßenabschnitt, an eine spezifische Münchner Baugattung, den Typus des Kunsthändlerhauses. Sowohl der kreisrunde Karolinenplatz (1809-1812) mit seiner zentralen, den Obelisken umgebenden Grünfläche und der zumindest noch in der Anordnung erhaltenen, offenen Pavillonbauweise, als auch der rechteckige Königsplatz mit seinen neuhellenischen Monumentalbauten und den anschließenden Gartenanlagen gehören zu den bedeutenden Schöpfungen klassizistischer Stadtbaukunst.
Einen entscheidenden Eingriff in die bis dahin gut erhaltene klassizistische Anlage nahm man während der NS-Diktatur durch den Bau ihrer Parteigebäude und die Umgestaltung des Königsplatzes vor. Das Konzept von Paul Ludwig Troost hatte nach dessen Tod im Januar 1934 Leonhard Gall weiter geplant und ausgeführt. Den Königsplatz belegte man nach der Niveauangleichung mit mehr als 20.000 Granitplatten und platzierte Kandelaber und Hoheitszeichen am Rande. Die Bauten im Osten des Platzes brach man ab und errichtete dort den sog. Führerbau und den Verwaltungsbau der NSDAP und zwischen diesen beiden Gebäuden die sog. Ehrentempel. Die sog. Ehrentempel sprengte man 1947 und den Plattenbelag des Platzes entfernte man 1987.
Nach teilweise schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg behielt die Maxvorstadt ihren Charakter im Wiederaufbau bei. Die klassizistische Stadterweiterung mit ihrer Umgestaltung während der NS-Zeit und dem bewahrenden Wiederaufbau bildet eine herausragende städtebauliche Einheit.
Aktennummer E-1-62-000-35
Jede bauliche Änderung an einem Baudenkmal oder in einem Ensemble braucht eine Erlaubnis nach Art. 6 BayDSchG.
Geofachdaten © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (CC BY-ND 4.0)