=== 20-26 _ T 086191_4.7.5 AntragSicherheitVers2.pdf ===
Christopher Parry
(Sprecher)
Hermann Diehl
Frank Eßmann
Martin Hepp
Dr. Georg
Kronawitter
Martin Lohr
Andreas Löffler
Dr. Magdalena Miehle
Sebastian Schall
Michael Weinzierl
Stefan Ziegler
Antrag des BA15 Trudering-Riem
11.10.2025
Antrag
Pilotprojekt zur aktiven Bürgerbeteiligung im Bezirk Trudering–Riem
Die Stadt München startet im Bezirk Trudering–Riem ein Pilotprojekt zur aktiven
Bürgerbeteiligung im Rahmen eines Mediations- und Konfliktmanagementprojekts.
Im Vorfeld werden Informationsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger an
verschiedenen Orten im Bezirk (z. B. in den Riem Arcaden) durchgeführt. Zusätzlich erfolgt
ein gezielter Austausch mit sozialen Netzwerken – sowohl mit Erwachsenen als auch mit
Jugendlichen –, um Bedenken aufzunehmen, Akzeptanz zu schaffen und potenziell
interessierte Mitwirkende zu gewinnen.
Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Mindestens einmal jährlich findet ein
Austausch mit Institutionen, Bürgern und sozialen Einrichtungen vor Ort statt, um das
Konzept kontinuierlich zu verbessern.
Über eine mögliche Fortführung nach Ablauf der Pilotphase wird auf Grundlage der
gesammelten Erfahrungen und einer abschließenden Evaluation entschieden.
Voraussetzung für den Erfolg des Projekts ist eine hohe Transparenz (vgl. z. B. do-
guides.de) sowie ein enger Austausch mit Behörden, Institutionen und der
Bürgerschaft.
Die Freiwilligen sollten einen möglichst repräsentativen Querschnitt der gesellschaftlichen
Vielfalt des Bezirks widerspiegeln und eng betreut werden.
Begründung
Nicht nur objektiv sicher zu leben, sondern sich auch sicher zu fühlen ist ein Grundbedürfnis
aller Menschen, Damit das gelingt, stehen nicht nur rechtsstaatliche Einrichtungen und
Organisationen, wie die Polizei oder städtische Behörden, in der Pflicht, sondern es ist
grundsätzlich Jeder aufgerufen, sich einzubringe
Eine ergänzende, zivilgesellschaftlich getragene Institution kann hier wichtige Funktionen
übernehmen:
• Niederschwellige Konfliktsituationen entschärfen
• Frühzeitige Hinweise an Polizei und Behörden ermöglichen
• „Auge und Ohr“ im Stadtteil sein
• Ein ruhiges und sicheres Umfelds
• Unterstützung bei besonderer Schutzbedürftigkeit von Menschen oder Einrichtungen
gewährleisten.
Zur Ausarbeitung des Projektrahmens tritt der UA Soziales in den Austausch mit MoNa
(Mobile Nachtarbeit), AKIM (Allparteiliches Konfliktmanagement in München) und weiteren
relevanten Akteuren.
Der Bezirksausschuss (BA) wird in allen weiteren Schritten eng eingebunden und begleitet
das Projekt fortlaufend. Erfahrungsaustausch kann z. B. im Rahmen des „DIALOG
Blaulicht“ erfolgen.
Abgrenzung
Zivilgesellschaftliche Projekte dieser Art konzentrieren sich auf soziale Mediation,
Konfliktdeeskalation und Prävention.
Sie übernehmen keine polizeilichen Aufgaben und ersetzen in keinem Fall polizeiliche
Zuständigkeiten
Positive Aspekte und Erfolge
• Verbessertes Sicherheitsgefühl: Regelmäßige Präsenz von Ehrenamtlichen in
Parks, Fußgängerzonen und öffentlichen Räumen stärkt das subjektive
Sicherheitsgefühl.
• Bürgernähe: Ehrenamtliche fungieren als Ansprechpartner vor Ort und nehmen
Hinweise oder andere Auffälligkeiten entgegen.
• Stärkung von Zivilcourage: Das Konzept fördert bürgerschaftliches Engagement
und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
• Niederschwellige Vernetzung in die Sicherheitsarchitektur
• Kosteneffizienz: Im Vergleich zu hauptamtlichen Konfliktmanagement-Strukturen
sind die Kosten gering.
Kritikpunkte und Bedenken
• Begrenzte Befugnisse: Ehrenamtliche können keine polizeilichen Maßnahmen
durchführen. Klare Leitlinien, gute Vernetzung und schnelle Reaktionszeiten sind
daher entscheidend.
• Zweifel an der Effektivität: Kritiker sehen mitunter die Gefahr einer
„Scheinsicherheit“. Der Fokus auf Prävention, Deeskalation und sichtbare Präsenz
kann diesem Vorwurf begegnen.
• Gefahrenpotenzial: Ehrenamtliche müssen vor riskanten Situationen geschützt
werden; entsprechende Ausrüstung und Schulung sind wichtig.
• Rekrutierungsprobleme: Einige Gemeinden haben Schwierigkeiten, ausreichend
geeignete Freiwillige zu gewinnen.
• Abgrenzung zur Polizeiarbeit: Die Polizei betont, dass jedwedes bürgerschaftliches
Engagement in der Sicherheitsarchitekt keine Planstellen ersetzen.
• Akzeptanz: Nicht alle Kommunen begrüßen solche Projekte vorbehaltlos.
Transparenz und frühzeitige Bürgerbeteiligung sind deshalb essenziell.
Fazit
Institutionen wie die Dortmund Guides, Sicherheitswachten oder MoNa haben sich
vielerorts bewährt. Sie ergänzen die Polizeiarbeit sinnvoll, lösen kleinere Konflikte frühzeitig
und erhöhen das subjektive Sicherheitsgefühl.
Der vorliegende Antrag geht noch einen Schritt weiter:
Er stärkt das Miteinander aller Anwohnerinnen und Anwohner, schafft Strukturen für
Transparenz, Austausch und gemeinsame Verantwortung.
Ein Beispiel aus Dortmund zeigt, wie erfolgreich solche Konzepte sein können: Zu Silvester
wurde die Innenstadt zur Partyzone umgestaltet – ohne Böller und ohne größere Konflikte.
Das Konzept war so überzeugend, dass es wiederholt wird.
Die Ideen sind vielfältig – entscheidend ist, das Projekt jetzt in Gang zu setzen.
Beispiele verschiedener Umsetzungen in Deutschland
München
? MoNa – Mobile Nachtarbeit
Dortmund
? Dortmund Guides
? Erfolge und Transparenz
Weitere Städte und Programme
• Aachen: „Nachtschicht“ – Ehrenamtliche im Nachtleben, Ersthelfer &
Ansprechpartner
• Berlin: „Nachthelfer“ – Zusammenarbeit mit Polizei, Politik & Clubs
• Hamburg: „Nachtschlichter“ – Vermittlung auf der Reeperbahn
• Köln: „Nachtsam-Team“ – Prävention & Konflikthilfe im Nachtleben
• Stuttgart: Nachtmanager als Schnittstelle zwischen Stadt, Gastronomie und
Anwohnern
Bayern
Seit 1994 existiert die Bayerische Sicherheitswacht in zahlreichen Städten (u. a. München,
Nürnberg, Regensburg, Ingolstadt, Bayreuth, Straubing).
Hessen
Freiwilliger Polizeidienst in Städten wie Marburg, Wiesbaden, Offenbach, Fulda.
Baden-Württemberg
Rund 1.200 Freiwillige in ca. 20 Städten, mit Uniform und Fokus auf Prävention.
Brandenburg
„Sicherheitspartner“ – unbewaffnete Ansprechpartner, ohne besondere Vollmachten.
Initiative
Frank Eßmann, Michael Weinzierl